Kritzeleien

Ende Februar 2012, auf einer Bahnfahrt, nachdem ich mich bereits beim Lesen der Einleitung Hals über Kopf in dieses kleine Büchlein verliebt hatte.

Scan

Dieses fast schon poetische Grunddilemma der Philosophie, dass sie nicht anders kann, als ihr eigener Gegenstand zu werden: Denn jedes Hervorbringeneiner Aussage der Erkenntnis des Menschen in Beziehung zur Welt ist bereits ihr Gegenstand, und die Aussage, dass dies ihr Gegenstand sei, ist es ebenfalls etc. ad infinitum.

Poetisch formuliert: Aussagen über die Welt sind Teil der Welt. Und Aussagen über das Verhältnis des Menschen zur Welt sind Teil des Verhältnisses des Menschen zur Welt. Und Aussagen über das Verhältnis des Menschen zur Welt sind Teil der welt, und das heißt im Endeffekt: Aussagen der Philosophie verändern selbst den Gegenstand dieser Aussagen.

Ursprung dieses Dilemmas könnte sein die bekannte und bekanntermaßen nicht haltbare Trennung von Subjekt und Objekt, von Ensch und Welt, von Erkennendem, Erkenntnis und Erkanntem. Es ist dies auch das größte und einzige Dilemma des Poeten, der Poesie und des Poetisierten.

Der wichtigste Unterschied zwischen Philosophie und Poesie könnte sein, dass die Philosophie zu genau dieser Erkenntnis kommt, wenn sie angestrengt versucht, genau das nicht zu tun, Teil der Welt zu werden, sie will ja von der Grundgeste her über die Welt sein. [Das ist vielleicht etwas kurz für „über die Welt reden und damit über der Welt sein“, was schon wieder ein eigenes Untersuchungsgebiet wäre.] Der Grundgeste der Poesie hingegen fehlt die besprochene Erkenntnis, sie allerdings will das, was ich beschrieben habe. Ihr Gründungsmythos ist weniger, das Universum zu erkennen, als vielmehr, mit Steve Jobs [der ja eh besser Poet als Diktator geworden wäre] gesprochen: „I want to put a ding in the universe.“

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Über Weiszklee

Bekennender Möchtegernliterat
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4 Antworten zu Kritzeleien

  1. Weiszklee schreibt:

    Ich bitte um Verzeihung für die unmöglichen Anführungszeichen, WordPress macht das von alleine falsch, und ich habe keinen Bock, mich damit zu beschäftigen, es zu berichtigen. Es soll sich doch ins Knie ficken, dieses WordPress. Wie das Bild eingebunden ist, sieht auch hässlich aus. Tja.

    • Tobias schreibt:

      Dem kann ich nur zustimmen. Typografische Korrektheit war noch die große Stärke von WordPress. 😦 Auch die Ausrichtung von Bildern ist hier aufgrund des beschränkten Zugriffs auf CSS nur bedingt möglich.

  2. Maike schreibt:

    Vielen Dank für den Buch-Tipp, das könnte auch meine Lektüre sein demnächst ;-)!
    Dieses Dilemma, was du oben beschreibst, hängt für mein Empfinden damit zusammen, dass der Mensch in dieser Welt gleichzeitig der Beobachter ist UND der Beobachtete, und dass er sich diese „doppelte Existenz“ nur in den seltensten Fällen bewusst macht. Weil, daraus ergibt sich – für alle Bereiche (ob Philosophie oder Poesie oder was auch immer) eben diese scheinbare Trennung, die in Wirklichkeit jedoch nicht vorhanden ist. Alles ist eine Einheit, also irgendwie alles miteinander verbunden, und so ergibt im Prinzip schon jeder Gedanke oder Impuls eine Veränderung.

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